Abbildung von Strukturprozessen aus vollständig definierten, begrenzten Systemen Betrachten wir die Arbeiten Uwe Kubiaks, so sehen wir zunächst einmal Bilder, die mit den Farben, genauer gesagt, mit den Nichtfarben, schwarz und weiß, sowie wenigen einfachen Elementen auskommen. Diese Aufbauelemente scheinen in Ihrer Anordnung bestimmten Regeln zu gehorchen und lassen in ihrem Zusammenspiel Binär- oder Makro-Strukturen in den Vordergrund treten.
Ein sehr anschauliches Beispiel für die Arbeitsweise von Uwe Kubiak ist die Arbeit, die oben abgebildet ist. Das Bild besteht aus zwei sich überlagernden Feldern von Halbkreisen mit insgesamt 25 x 25 Halbkreisen. Die Halbkreise durchlaufen eine schrittweise Drehung von jeweils 15 °. In der oberen Zeile durchlaufen die Halbkreise von links nach rechts eine volle Drehung, wobei gleichzeitig der Radius ansteigt. Diese Zeile wird von oben nach unten 24 mal wiederholt. In einem zweiten darüber gelagerten Feld wird der gleiche Ablauf wiederholt. Die Kreise nehmen im Radius von oben nach unten zu und werden wie auch schon im ersten Feld um jeweils 15° gedreht. Die schwarz-weiß Verteilung ergibt sich aus der Überlagerung von zwei oder mehreren Halbkreisflächen. Bei einer geraden Anzahl von Überlagerungen ergibt sich weiß, bei einer ungeraden schwarz. Da die Drehrichtung der Kreise bei dieser Arbeit in den beiden Feldern gleich ist, ist sie nicht achsensymmetrisch.
Ähnlich wie in dieser frühen Arbeit unterliegen die Aufbauelemente, oder Module in allen Arbeiten Kubiaks einem systematischen strengen Regelwerk, welches mit zunehmender Untersuchungsintensität seitens des Künstlers immer komplexere Formen annimmt. Waren es zunächst einfache Systeme, die von Uwe Kubiak auch ohne die Zuhilfenahme des Computers erstellt wurden (wie zuvor beschrieben), so benutzt er doch nun schon seit einigen Jahren dessen Hilfe, um aus den untersuchten Systemen heraus neue zu entwickeln, die zumeist aufeinander aufbauen, oder miteinander, ja man kann sagen „verwebt werden“. So kommt es zu Bildern, deren Aufbau durch Systeme determiniert werden, die wiederum aus Überlagerungen von Sub- und Sub-Subsystemen bestehen.
Aber worum geht es dabei? Die Darstellung der reinen Mathematik allein kann ja noch nicht zu einer Kunsterfahrung beitragen. Zunächst einmal bestätigen uns die Arbeiten Uwe Kubiaks wieder einmal, daß sich die Gegenwartskunst in den verschiedensten Erscheinungsformen ausdrücken kann und damit einer Definition von Kunst dient, welche sie als menschliche Grundfunktion erkennt. Durch die Reduzierung in der Formen- und Farbsprache betonen die Arbeiten ihren erscheinungshaften Charakter und bleiben der räumlichen und zeitlichen Umgebung verbunden, ja sie wird als Erscheinung, als individuelle Erfahrungs- und Bildwelt des Betrachters hervorgehoben. Mit der Verwendung der abstrakten Formensprache führt uns Uwe Kubiak darüber hinaus zu einer Kunsterfahrung, welche hinter der realen Begriffs– und Bildwelt liegt, hinter der realen Erscheinung in gegenständlicher, wie auch in ungegenständlicher Form, wie wir sie aus den Bildern der Konkreten Kunst kennen, deren Arbeiten ja konkret sind in Bezug auf ein Bildproblem. Steht bei diesen, der durch die Transparenz im Bildaufbau erreichte Bildeindruck im Vordergrund, ist gerade dies bei den Bildern von Uwe Kubiak nur von untergeordneter Bedeutung. Seine Arbeiten sind nicht abstrakt im konkreten Sinne, sondern im Hinblick auf die Erfahrung eines Systems. Die Elemente führen in seinen Bildern ein Eigenleben und müssen nicht zwingend zu einem Ergebnis führen. Sie bleiben dabei aber nicht auf sich selbst bezogen, sondern öffnen sich hin zur lebendigen Dichte, aus der heraus erst der Bildeindruck entsteht, aber auch das Erlebnis der Betrachtung. Der Kern der Kunst Uwe Kubiaks wird hier offenbar - in der immer wieder neu nachvollziehbaren Behauptung, dass das Leben in seiner ungeordneten organischen Vielfalt auf Systemen gründet und auf diese zurückführbar ist. Die Systematisierung ist in der Kunst ein Thema, daß wir schon seit dem frühen 20. Jhr. beobachten können. Beispielhaft seien hier nur Namen, wie Giacomo Balla, Anni Albers, Francoise Morellet oder auch Zdenek Sykora genannt. All diesen gemein ist, daß sie Systeme entwickelt haben, um ein Bildproblem zu bearbeiten. Sie haben mit ihren Untersuchungen stets an bestimmten Punkten geendet, wenn ästhetisch befriedigende Bildergebnisse zustande kamen. Uwe Kubiak geht, in seinen Untersuchungen der bild- und darstellungslosen Bereiche der menschlichen Existenz weiter. Er entwickelt und stellt künstlerisch Funktionsweisen dar, die den menschlichen nahe kommen. Die Prozeßhaftigkeit, die Funktion des Systems ist dabei der entscheidende Faktor. Erst diese erweckt das Bild zum Leben und führt zu dem notwendigen künstlerischen Erkenntnisprozeß, der im Wechselspiel zwischen Bild und Betrachter zum Ausdruck kommt. Durch die Struktur gelenkt erfaßt das Auge des Betrachters das Bild und die Art, wie er sieht, wird gleichzeitig durch das was er sieht bestätigt, ebenso wie durch die systembedingte Funktionsweise des Betrachters. Die Kunst Uwe Kubiaks und die aus ihr erwachsenden Vorgänge vermitteln Erkenntnisse, die wir in der Wissenschaft bestätigt finden. Das Erlebnis der Funktionsweisen seiner Kunst findet seine Äquivalenz in den Grundstrukturen des Betrachters. Es geht ihm also kurz gesagt um die Darstellung von Leben mit den Mitteln des Lebens.
Kai-Uwe Holze
Ausbildung
1977-84 Studium an der Staatl. Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Reusch und Prof. Megert 1984 Meisterschüler
Öffentliche und private Sammlungen
Sammlung Holze, Von der Heydt Museum, Wuppertal, D Sammlung Ruppert, Museum im Kulturspeicher, Würtzburg, D Sammlung Teufel – Habbel, Kunstmuseum Stuttgart, D
Einzelausstellungen
1986 Galerie Teufel, Köln, D 1986 Galerie Schöller, Düsseldorf, D 1986 Dawo, Düsserldorf, D 1996 Galerie Teufel Holtze, Dresden, D 2001 Künstlerhaus Hooksiel, D 2007 Roland Berger, Frankfurt, D 2009 Galerie La Ligne, Zürich, CH
Gruppenausstellungen (Auswahl)
1980 Kunstmuseum, Bern, CH 1982 Aspex Gallery, Portsmouth, UK 1986 Kunstmuseum Düsserldorf, D 1987 Wilhelm-Hack-Museum, “Mathematik in der Kunst der letzten 30 Jahre“, Ludwigshafen, D 1987 Galerie Schöller, Düsseldorf, D 1987 Galerie Muda 2, Hamburg, D 1994 Internationaler Mathematikerkongress, Duisburg, D 1995 Galerie Edition Hoffmann, Friedberg, D 1997 Galerie Teufel Holtze, Dresden, D 2002 Galerie Bach u. Partner, Hamburg, D 2005 Roland Berger MK21, Frankfurt, D 2005 MK21, Hamburg, D 2007 MK21, Hamburg, D 2008 Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, „Gegenstandslos“, Bonn, D
Teilnahme an Kunstmesse
Art Basel Galerie Teufel, Galerie Edition Hoffmann, D Art Cologne Galerie Teufel, Galerie Schöller, Galerie Edition Hoffmann, D Art Frankfurt Galerie Teufel, Galerie Edition Hoffmann, D Art- Berlin Galerie Teufel Holtze, D Artfair Zürich 08 Galerie La Ligne Zürich, CH
Seit 1989 Gedankenaustausch mit Niklas Luhmann. Auf seine Initiative hin von 1989-1994 Umschlaggestaltung der Neuauflage seiner Buchreihe SOZIOLISCHE AUFKLARUNG. 1999 Beitrag in dem Gedenkband von Theodor M. Bardmann und Dirk Baecker anlässlich seines Todes 1998.
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